{"id":9103,"date":"2021-06-05T22:17:10","date_gmt":"2021-06-05T20:17:10","guid":{"rendered":"https:\/\/kirche-hettenhausen.de\/site\/?page_id=9103"},"modified":"2026-01-18T14:02:15","modified_gmt":"2026-01-18T13:02:15","slug":"kirche-mit-geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kirche-hettenhausen.de\/site\/unsere-kirchen\/kirche-st-georg-hettenhausen\/kirche-mit-geschichte\/","title":{"rendered":"Kirche mit Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>Der Ort Hettenhausen wurde erstmals in einer Schenkungsurkunde an das Kloster in Fulda im Jahr 927 n. Chr. erw\u00e4hnt. Als Gr\u00fcndungsjahr gilt danach das Ende der Amtszeit des damaligen Abtes Hadamar im Jahr 956 n. Chr. Es ist eines der \u00e4ltesten D\u00f6rfer des Landkreises Fulda. <strong>Obwohl der Ort wesentlich \u00e4lter ist, gilt als urkundliche Erw\u00e4hnung das Jahr 956 n. Chr<\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schon mehr als sechshundert Jahre, seit 1395, besitzt Hettenhausen eine Kirche<\/strong>. Das Patrozinium (= Schutzherrschaft) des Heiligen St. Georg, der der Kirche und Gemeinde Beistand und Schutz gew\u00e4hren sollte, ist seit dem Jahr 1453 bekannt. Auch nach der Reformation vertrauten die B\u00fcrger sich und ihre beiden nachfolgenden Kirchen weiterhin dem Patronat des St. Georg an. Das Patrozinium verr\u00e4t viel \u00fcber die Geschichte des Gotteshauses. Der Heilige St. Georg steht f\u00fcr Tapferkeit und N\u00e4chstenliebe, Ritterlichkeit und H\u00f6flichkeit. Er geh\u00f6rt zu den M\u00e4rtyrern, die wegen ihres Glaubens, den sie mutig vertraten, in den letzten Christenverfolgungen der Antike gefoltert und enthauptet wurden.<\/p>\n<p>Im 15. Jahrhundert geh\u00f6rte die Pfarrei unter das w\u00fcrzburgische Archidiakonat Karlstadt. Das Patronat stand dem \u00e4ltesten Glied des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ebersberg_genannt_von_Weyhers\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geschlechtes derer von Ebersberg, genannt von Weyhers<\/a>, zu. Die Herren von Ebersberg haben es auch behalten bis zum Jahr 1778, als der ebersbergische Anteil am Gericht L\u00fctter an das Bistum Fulda kam. Ihrer Pflichten als Patronatsherren sind die Ebersberger stets eingedenk gewesen, und um die Pfarrei Hettenhausen haben sie sich gro\u00dfe Verdienste erworben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.deutsche-digitale-bibliothek.de\/item\/4W6U24GYXRKUMPDCT4R3QRGMGGFE6NWC?isThumbnailFiltered=true&amp;query=hettenhausen&amp;rows=20&amp;offset=0&amp;viewType=list&amp;firstHit=PQYGHJX73O6LNKFZPKMW34TAZYVZEMAL&amp;lastHit=lasthit&amp;hitNumber=6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Revers Balthasars von Ebersberg genannt von Weyhers bez\u00fcglich der Belehnung mit G\u00fctern in Hettenhausen und weiteren im Einzelnen aufgef\u00fchrten Lehen durch Johann [I. von Henneberg], Abt von Fulda &#8211; Deutsche Digitale Bibliothek (deutsche-digitale-bibliothek.de)<\/a> ff., Quelle: Hessisches Staatsarchiv Marburg<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Jahr 1474 stattete Albrecht von Ebersberg die Pfarrkirche aus mit dem halben Zehnten von Heydenhusen, w\u00e4hrend die andere H\u00e4lfte der Kapelle im Schloss zu Weyhers geh\u00f6ren sollte. Der Zehnte musste entrichtet werden von allem Land, das gepfl\u00fcgt, geegt und ged\u00fcngt wurde; ausgeschieden waren &#8222;die Musg\u00e4rten, die das Dorf begriffen&#8220;. Dem Pfarrer fiel u. a. auch zu der Zehnte von G\u00e4nsen und Enten, &#8222;Swinen und Schaffen&#8220; und von den Bienen der zehnte &#8222;Swarm&#8220;. Wer &#8222;junge H\u00fchner zeuget&#8220;, soll &#8222;ey jung Huhn&#8220; geben; von &#8222;Geysen ein Heller&#8220; und von jedem &#8222;Fuder Haws&#8220; (Heu)\u00a0 &#8222;eyn Heller&#8220; usw. Dem Pfarrer hingegen war zur Pflicht gemacht, ein \u00fcber den anderen Sonntag eine Messe und in der Woche eine Messe zu halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.deutsche-digitale-bibliothek.de\/item\/AG7ZO7HE426CUY4WSRAFLJLW4SRNEB6H?isThumbnailFiltered=true&amp;query=hettenhausen&amp;rows=20&amp;offset=20&amp;viewType=list&amp;firstHit=PQYGHJX73O6LNKFZPKMW34TAZYVZEMAL&amp;lastHit=lasthit&amp;hitNumber=34\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Missale Benedictinum (Druck)<\/em> &#8211; <em>Deutsche Digitale Bibliothek (deutsche-digitale-bibliothek.de)<\/em><\/a><em>, Quelle: Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, Landeskirchliches Archiv<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Besoldung mag doch nicht ausreichend gewesen sein, weshalb die Gemeinde sich entschloss, mit Zustimmung s\u00e4mtlicher Junker die an die Kaplanei Weyhers entfallende H\u00e4lfte des Zehnten im Jahr 1505 hinzuzukaufen. Patronatsherr waren der &#8222;ehrenveste&#8220; Junker Werner von Weyers, Pfarrherr von Hettenhausen Valentin Gutmann und Kaplan in Weyhers Peter Heinrich Herbst. Der Kaufpreis betrug 91 Gulden Frankfurter W\u00e4hrung. Von da an musste der Pfarrer in Hettenhausen alle Sonntag eine Messe und in der Woche zwei halten. Beringt und versiegelt wurde der Kaufbrief durch den hochw\u00fcrdigen F\u00fcrsten und Herrn, Herrn Johann, Abt des Stifts zu Fulda.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.deutsche-digitale-bibliothek.de\/item\/A4EMVYRUGOU2DMWGALK2HTL3T4W7MCXU?isThumbnailFiltered=true&amp;query=hettenhausen&amp;rows=20&amp;offset=0&amp;viewType=list&amp;firstHit=PQYGHJX73O6LNKFZPKMW34TAZYVZEMAL&amp;lastHit=lasthit&amp;hitNumber=3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aufrichtung einer Ordnung f\u00fcr die Gemeinde Hettenhausen &#8211; Deutsche Digitale Bibliothek (deutsche-digitale-bibliothek.de)<\/a><\/em>, <em>Quelle:<\/em>\u00a0<em>Hessisches Staatsarchiv<\/em> <em>Marburg<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch um die <strong>Gr\u00fcndung einer Schule<\/strong> bem\u00fchten sich die Herren von Ebersberg und so hat eine solche schon vor dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg hier bestanden. Der Lehrer erhielt als Besoldungsteil eine Wiese im Rommerser Grund und den heute noch im Besitz der Schule befindlichen &#8222;Schulrain&#8220;. In der Kirchenrechnung von 1662\/63 hei\u00dft es von diesem Grundst\u00fcck: &#8222;13 Knacken Erbzins Michaelis 1662 von Lucas Steringers seel. Wiesen, so unsern gro\u00df gn\u00e4digster (lieber) Junker nunmehr erblich zum Schuldienst verwiesen, nach Gersfeld gezahlt und 1\/2 fl. dem Schreiber daselbsten Schreibgeb\u00fchr entrichtet.&#8220; (1 Knacken = 1 1\/2 Kreuzer)<\/p>\n<p>Auch die Kinder von Dalherda besuchten die Schule in Hettenhausen, bis im Jahr 1708 auch dort eine Schule gegr\u00fcndet wurde. Das Einkommen des Lehrers, der das Schulehalten nur im Nebenberuf betrieb, muss aber recht k\u00e4rglich gewesen sein, hei\u00dft es doch noch 1775, dass er &#8222;allda seine vollkommene Nahrung nicht hat, deshalb ihm von genannter Herrschaft erlaubt ist, eine Provission zu treiben.&#8220; Man gab ihm daraufhin einen Acker an der Horst als ein Los des Neugerodeten. Durch Urkunde vom 18. Dezember 1775 wurde der Schule dieser Acker vom Grafen Fr. v. Weyhers &#8222;als ewiges von allen Abgaben freies Eigentum garantiert&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Welche Orte in alter Zeit zur Pfarrei Hettenhausen geh\u00f6rten, ist nicht bekannt. Die<strong> Zugeh\u00f6rigkeit Dalherdas<\/strong> bestand wohl seit der Begr\u00fcndung des Kirchspiels, nachweislich ist sie seit dem Jahr 1588 und hat fortbestanden bis zum Jahr 1835. Im 16. Jahrhundert z\u00e4hlte auch Altenhof hierher; ebenso war Weyhers mit ihm vereinigt. Noch 1750 war ein gro\u00dfer Teil des zuletzt genannten Ortes protestantisch. Bis 1778 durfte dort der Pfarrer von Dietershausen nicht in den von Weyherschen H\u00e4usern taufen. Die meisten Geh\u00f6fte von Gichenbach und Altenfeld waren nach Hettenhausen eingepfarrt. Die Aufnahme der H\u00f6fe und H\u00fctten in die Pfarrei geschah anf\u00e4nglich ohne alle Verbindlichkeit, sp\u00e4ter wurde sie vertraglich festgehalten. So kamen 1689 die Schalmei, 1781 der Bienhof und Neuwart am Ebersberg und die Ruh in Gichenbach dazu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Um das Jahr 1540, noch zu Lebzeiten Luthers, wurde in Hettenhausen die Reformation eingef\u00fchrt.<\/strong> Die Annahme liegt nah, dass sie in der selben Zeit erfolgte, in der auch 1535 die \u00fcbrigen ritterschaftlichen Ort die evangelische Lehre annahmen. Am 5. April 1546 zog der evangelische Pr\u00e4dikant Marcus Sebander mit Frau und Kindern in das Pfarrhaus ein und wirkte in Hettenhausen im Sinne der neuen lutherischen Lehre (siehe hierzu auch <a href=\"https:\/\/www.kirche-hettenhausen.de\/site\/?p=1932&amp;preview=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;475 Jahre Reformation in Hettenhausen&#8220;<\/a>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unter F\u00fcrstabt Balthasar von Dernbach kam es zur <strong>Gegenreformation<\/strong>. Mit Hilfe der Jesuiten gelang es ihm in den eigenen Stiftslanden, den katholischen Glauben durch Vertreibung der evangelischen Pfarrer wieder herzustellen. Er glaubte in diesen Pfarreien ein Recht f\u00fcr sein Vorgehen zu haben, weil er sich mit den Herren von Ebersberg in diesen Orten das Patronat teilte. Die Pfarrei Hettenhausen war ein eigenes Lehen der Herren von Weyhers und so blieb sie von den Angriffen verschont. Balthasar von Dernbach starb 1606. Unter seinem zweiten Nachfolger, dem F\u00fcrstabt Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg sollte auch in der Pfarrei Hettenhausen die Gegenreformation zur Durchf\u00fchrung kommen. Er lie\u00df durch einen pl\u00f6tzlichen \u00dcberfall am 15. September 1624 Kirche und Pfarrei einnehmen. Der Geistliche Jeremias Wengeslei ergriff die Flucht und suchte Schutz im Gersfelder Schloss. Der in Gersfeld wohnende Lukas von Ebersberg erhob sich gegen solche Gewalttat im Namen seines Bruders Konrad von Ebersberg zu Haselbach, des eigentlichen Patronatsherrn.<\/p>\n<p>Er berief sich auf den Religionsfrieden und darauf, dass Hettenhausen nicht fuldisches Lehen, sondern eigenes Lehen sei. Der F\u00fcrstabt lie\u00df sich aber in seinem Vorgehen nicht beirren, er setzte katholische Messpriester ein, welche des \u00d6fteren die Einwohner von der Arbeit vom Felde weg, ja vom Mistaufladen zur Beichte n\u00f6tigten. Alle Proteste der Patronatsherrschaft und des Pfarrers Wengeslei, der damals in Weyhers wohnte, waren vergeblich. Lukas von Ebersberg kam \u00f6fters von Gersfeld hierher, lie\u00df die Kirche aufschlagen, jagte den katholischen Pfarrer aus dem Pfarrhof und nahm den Kirchenschl\u00fcssel mit, den er in die Schreibstube zu Gersfeld legte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Schrecken des <strong>Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges<\/strong> trafen noch in anderer Weise das Kirchspiel. Es blieb nicht verschont, als 1635 die Pest durchs Land ging. Hier und in Dalherda wurden 400 Menschen von ihr dahingerafft. Die Leichen von Dalherda wurden damals noch nach Hettenhausen gebracht. Dieses Sterben soll die Veranlassung zur ersten Anlage eines Friedhofes in Dalherda gegeben haben. (Ob diese Angabe den Tatsachen entspricht, konnte nicht nachgepr\u00fcft werden; die erste Kapelle in Dalherda wurde auf jeden Fall erst 1703, die Schule 1708 errichtet.)<\/p>\n<p>Als nat\u00fcrliche Folge der entsetzlichen Seuche machte sich ein gewaltiger R\u00fcckgang der Bev\u00f6lkerungszahl bemerkbar. Nur wenige Jahre nach dem Krieg (1656) hatten beide Orte zusammen nur noch 42 Nachbarn und nach einer Angabe aus dem Jahr 1671 betrug sie gar nur 20 Nachbarn. W\u00e4hrend der f\u00fcr ganz Deutschland so unruhigen Zeit brach <strong>im Jahr 1637<\/strong> unversehens in Hettenhausen eine gewaltige Feuersbrunst aus. <strong>Das ganze Dorf samt Kirche, Pfarrhaus und Schule wurde ein Raub der Flammen.<\/strong> Dieses Ereignis nahm dem katholischen Geistlichen die M\u00f6glichkeit, weiterhin in Hettenhausen zu wohnen. Die hiesige Pfarrei wurde nun von Poppenhausen, nach einer anderen Angabe von Dietershausen aus versehen. Weil das Geld zum Wiederaufbau fehlte, musste der Gottesdienst im Freien abgehalten werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erst nach Beendigung des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges erhielten die Hettenh\u00e4user die M\u00f6glichkeit, ihren evangelischen Glauben zu bekennen.<\/strong> Am 24. Oktober 1648 waren die Friedensverhandlungen in Osnabr\u00fcck und M\u00fcnster beendet worden und reitende Eilboten trugen die Nachricht vom Friedensschluss in alle Lande hinaus. Ein kaiserliches Edikt, gegeben zu Wien am 17. November 1648, wurde \u00fcberall \u00f6ffentlich bekannt gemacht. Die Bestimmungen in Religionsangelegenheiten waren den Evangelischen g\u00fcnstig. Aber noch verweigerte der F\u00fcrstabt Joachim von Graveneck den hiesigen Protestanten die freie Aus\u00fcbung ihrer Religion mit der Angabe, er habe von seinem Agenten in M\u00fcnster noch keine Nachricht erhalten. Mehrere g\u00fctliche Schreiben des Patronatsherrn an den F\u00fcrstabt blieben fruchtlos. Was tun? Rat und Hilfe kam endlich vom Ritterbund. Der Direktor des fr\u00e4nkischen Ritterkreises und Hauptmann des Orts Rh\u00f6n-Werra, Johann Nolprecht von Schlitz, genannt von Goerz, erm\u00e4chtigte durch Schreiben vom 17. Dezember 1648 den Herrn von Ebersberg, sich mit Gewalt in den Besitz der Kirche zu setzen und versprach ihm hierbei die Unterst\u00fctzung des Ritterordens. Im Januar des n\u00e4chsten Jahres schritt man zur Ausf\u00fchrung: <strong>am Sonntag, den 14. Januar 1649 sollte die Einnahme der Kirche erfolgen. <\/strong>Zwei Tage vorher benachrichtigte Lukas von Ebersberg den Pfarrer Ruprecht von Gersfeld, dass er bei der Besitzergreifung die Predigt halten sollte. Am 13. Januar kam er selbst von Bischofsheim her\u00fcber nach Gersfeld und am 14. fr\u00fch bei Anbruch des Tages setzte sich ein ganzer Zug von Gersfeld aus in Bewegung.<\/p>\n<p>In Begleitung des Kirchenkallators Lukas von Ebersberg befanden sich sein Bruder Wilhelm Rudolf aus Gersfeld, Ritter Wolf Albrecht von Th\u00fcringen, Pfarrer Ruprecht, Schreiber Wolf, J\u00e4ger Schultheis, Schulmeister mit Kantorei u. a. Mit 15 Pferden stark zogen sie mit etlichen Untertanen, bewaffnet mit Geschossen, nach Hettenhausen. Der Zentgraf Breitung von Weyhers f\u00fchrte den Pfarrer in die abgebrannte, mit M\u00f6rtel und Stein zugefallene Kirche, von welcher nichts als der Chor und zwei Seitenmauern standen und die oben ganz offen war und stellte ihn an den Altar. Der Pfarrer von Schmalnau hatte ein Geschrei gemacht, er werde die Besitzergreifung verhindern. Es wurden deshalb W\u00e4chter aufgestellt, bis die Pfarrverwandten aus Dalherda auch ankamen.<\/p>\n<p><strong>Glocken waren nicht da, man lie\u00df darum ein Horn blasen und die Gemeindeglieder zur Kirche rufen. Der Kirchenpatron und sein ganzes Geleit mit allen Pfarrverwandten, gro\u00df und klein, jung und alt, folgten zu Gottes Lob und Ehr. Der Geistliche predigte nach dem Gesang \u00fcber Jeremia 1,7. Nach der Predigt wurde mit freudigem Gesang geschlossen. Drau\u00dfen vor der T\u00fcr warteten die Gemeindeglieder. Der Kirchenpatron gab ihnen das kaiserliche Edikt \u00fcber den Friedensschluss bekannt und lie\u00df sich als Kirchenkallator huldigen.<\/strong> Dies tat das Pfarrvolk freudig und willig, und weil kein Pfarrhaus hier war und ein Pfarrer hier nicht wohnen konnte, huldigte es auch dem Pfarrer von Gersfeld, der von dort aus die hiesige Pfarrei versah.<\/p>\n<p>Im Jahr 1653 erhielt dann die Gemeinde in Johann Jakob Romroth wieder einen eigenen Pfarrer, der aber zun\u00e4chst noch zwei Jahre im Schulhaus wohnen musste, weil das Pfarrhaus noch nicht wieder aufgebaut war. Von Fulda wurde kein Einspruch mehr erhoben gegen die Besitzergreifung der Kirche und die Aus\u00fcbung der evangelischen Religion. Man hatte das Recht auf seiner Seite und den Platz in sicherer Hand, aber man stand vor einer zerst\u00f6rten Kirche. <strong>Woher sollte man Geld nehmen zum Kirchenaufbau?<\/strong> Das ganze Kirchenverm\u00f6gen betrug etwa 100 Gulden. Durch den Brand waren die H\u00fctten zerst\u00f6rt, die der Kirche zu Lehen gingen und das Dorf war verarmt. <strong>Trotzdem ging man sofort ans Werk, das Gotteshaus herzurichten.<\/strong> Zun\u00e4chst sollte der steinerne Fu\u00df des Turms wieder ein T\u00fcrmlein haben.<\/p>\n<p>Die Arbeit wurde sofort nach der Kircheneinnahme verdingt. Willig gab jeder Nachbar hier und in Dalherda 1\/2 fl. und jeder Arme 1\/4 fl. Dem Zimmermann Peter Schneider von hier wurde auch alsbald die Wiederherstellung der Kirche \u00fcbertragen, wof\u00fcr er 16 Taler und freie Kost erhielt. Zur Bestreitung der Ausgaben schickte man unter Mitwirkung des Kirchenpatrons von beiden Gemeinden offene Bittbriefe an evangelische Orte weit und breit, die auch vieles eintrugen. <strong>Als 1650 Kirche und Schule erbaut waren<\/strong>, schenkte der Herr von Ebersberg der Pfarrgemeinde das sog. hohe rote Haus zu Weyhers. Mit den Ziegeln hiervon deckte man 1651 die Kirche und mit dem Erl\u00f6s aus dem Holz, das man verkaufte, erbaute man das Pfarrhaus mit s\u00e4mtlichen Nebengeb\u00e4uden. Hierzu gaben die Herrn von Weyhers, nicht aus Schuldigkeit, sondern aus lauter gutem Willen auch das Holz. <strong>So wurde 1655 das Pfarrhaus erhoben und wohnbar.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1298\" style=\"width: 223px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1298\" class=\"wp-image-1298 size-medium\" src=\"https:\/\/www.kirche-hettenhausen.de\/site\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Die-kleine-Kirche-mitten-im-Dorf_1-213x300.jpg\" alt=\"Die kleine Kirche mitten im Dorf\" width=\"213\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.kirche-hettenhausen.de\/site\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Die-kleine-Kirche-mitten-im-Dorf_1-213x300.jpg 213w, https:\/\/www.kirche-hettenhausen.de\/site\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Die-kleine-Kirche-mitten-im-Dorf_1.jpg 718w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><p id=\"caption-attachment-1298\" class=\"wp-caption-text\">Zeichnung der Kirche 1681<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die erste Glocke erhielt die Kirche im Jahr 1663<\/strong> im Gewicht von 1 Ctr. 65 Pfd. (82,5 kg) ohne Joch und Kl\u00f6ppel. Am Neujahr 1664 konnte sie zum ersten Mal gel\u00e4utet werden. Die Anschaffungskosten betrugen 53 Reichstaler; man bezahlte sie auf dem Weg der Umlagen, so dass Hettenhausen 41 und Dalherda 20 Taler gab.<\/p>\n<p>Die noch heute vorhandene Glocke stammt aus dem Jahr 1696, als Adam von Ebersberg Kirchenkollator und Johannes Neumann Pfarrer dahier waren. Sie wurde von der weitbekannten Glockengie\u00dferei des Johannes Ulrich in Hersfeld gegossen. Die Glocke selbst nennt uns noch die Namen von zwei B\u00fcrgern des Ortes: Hans Lamb und Balzer Handwerk, die sich um die Anschaffung der Glocken wohl besonders verdient gemacht haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.deutsche-digitale-bibliothek.de\/item\/7EIOORRRVU7NZR2W2NQS4MQHKQY3J4ZE?isThumbnailFiltered=true&amp;query=hettenhausen&amp;rows=20&amp;offset=0&amp;viewType=list&amp;firstHit=PQYGHJX73O6LNKFZPKMW34TAZYVZEMAL&amp;lastHit=lasthit&amp;hitNumber=2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hettenhausen &#8211; Deutsche Digitale Bibliothek (deutsche-digitale-bibliothek.de)<\/a>, Quelle: Universit\u00e4tsbibliothek Kassel &#8211; Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das gleich nach Beendigung des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges erbaute T\u00fcrmlein war bald schlecht; deshalb traf man Anstalten, <strong>der Kirche einen neuen Turm zu geben, 1681 wurde er erbaut. Er steht, von gro\u00dfen Reparaturen abgesehen, noch heute und ist bekannt durch seine spitze Form.<\/strong> Damals kostete er 500 Gulden, beide Gemeinden brauchten aber nur 30 fl. zu den Kosten beizutragen.<\/p>\n<p>In unserer Gegend hier besa\u00df bis in die Reformationszeit und noch dar\u00fcber hinaus der Abt von Fulda die alleinigen landesherrlichen Rechte. In dem oben erw\u00e4hnten Vertrag von 1505 \u00fcber den Kauf des halben Zehnten wird er darum noch der hochw\u00fcrdige F\u00fcrst und Herr genannt, der den Brief beringt und besiegelt hat. In der Folgezeit machten sich aber die Ritter von seiner Oberhoheit frei und erlangten auch 1656 die Reichsunmittelbarkeit. Die Herrn von Ebersberg waren nun die Landesherren auch \u00fcber Hettenhausen und unter der ritterschaftlichen blieb es bis zum Jahr 1778. In Angelegenheiten der Verwaltung geh\u00f6rte es zum Amt Weyhers, die niedere Gerichtsbarkeit \u00fcbte der gersfeldische Amtsvogt zu Weyhers aus, hinsichtlich der h\u00f6heren Gerichtsbarkeit unterstand es der Zent L\u00fctter.<\/p>\n<p>Die \u00c4bte von Fulda hatten allm\u00e4hlich begonnen, immer mehr Grundbesitz in der Rh\u00f6n anzukaufen und die Geldn\u00f6te der Junker machte ihnen ihr Vorgehen leicht. Im Jahr 1778 kaufte Fulda die ebersbergische H\u00e4lfte des Gerichts restlos an. Damit erhielt es den Kirchsatz in Hettenhausen und die Filiale in Dalherda. Es wurde eine scharfe Grenze zwischen Gersfeld und dem Amte Weyhers festgelegt und eingesteint. Die Grenzsteine stehen noch heute. Sie tragen auf der einen Seite FF. (F\u00fcrstentum Fulda) und auf der anderen Seite E G W. (Ebersberg genannt von Weyhers). Wegen des Schulrains kam es noch zu einer Auseinandersetzung; Fulda sprach die Wiese an, sie blieb aber bei dem Schuldienst von Hettenhausen.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr Hettenhausen wurde die freie protestantische Religions\u00fcbung sowie die ungeschm\u00e4lerte Pfarr- und Schulbesoldung vorbehalten und von dem damaligen F\u00fcrstabt Heinrich VIII. von Bibra, dem Domkapital und Kaiser Joseph II, durch Unterschrift garantiert.<\/strong> Diese geistliche Regierung wurde von allen Untertanen hierorts als sehr v\u00e4terlich gepriesen.<\/p>\n<p>Die Beziehungen des Dorfes zu dem Grafengeschlecht von Ebersberg blieben auch nachher noch lange Jahre erhalten. Einer der letzten Sprosse der Familie, der Junker Johann Christoph von Ebersberg genannt von Weyhers, lebte in Hettenhausen und ist im Haus Nr. 63 am 1. Juli 1827 im Alter von 69 Jahren an Steckfluss gestorben.<\/p>\n<div id=\"attachment_12436\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.kirche-hettenhausen.de\/site\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20220914_182852_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12436\" class=\"wp-image-12436 size-full\" src=\"https:\/\/www.kirche-hettenhausen.de\/site\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20220914_182852_1.jpg\" alt=\"Pfarrkirche St. Georg\" width=\"1024\" height=\"731\" srcset=\"https:\/\/www.kirche-hettenhausen.de\/site\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20220914_182852_1.jpg 1024w, https:\/\/www.kirche-hettenhausen.de\/site\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20220914_182852_1-300x214.jpg 300w, https:\/\/www.kirche-hettenhausen.de\/site\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20220914_182852_1-768x548.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12436\" class=\"wp-caption-text\">Gem\u00e4lde im Saal des Martin-Luther-Hauses<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\">_______________________________________________<\/p>\n<p>* Im Text befinden sich einige M\u00fcnzangaben. So hatte um 1700 ein Gulden (fl.) eine Kaufkraft, die heute (als grobe Orientierung)\u00a0 40-50 \u20ac entspr\u00e4che. 1747 mussten beispielsweise in der Grafschaft Sayn-Altenkirchen f\u00fcr einen Gulden ein Meister 2 Tage, ein Geselle etwa 2\u00bd und ein Tagel\u00f6hner 3 Tage zu jeweils 13,5 Arbeitsstunden an den herrschaftlichen Bauten arbeiten. Der Taler wurde auf 90 Kreuzer gesetzt, so dass der Gulden 2\/3 eines Talers entsprach. In Norddeutschland wurden in der Tat 2\/3-Taler gepr\u00e4gt. Ein Taler hatte somit den Wert von ca. 1,5 Gulden. Heute entspricht 1 Gulden einer Kaufkraft von ca. 10 \u20ac.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(u. a. aus der Chronik von Hettenhausen anl\u00e4sslich des 1050-j\u00e4hrigen Bestehens im Jahr 2006, nach den Aufzeichnungen des Chronisten Friedrich Waldschmidt, Hettenhausen)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ort Hettenhausen wurde erstmals in einer Schenkungsurkunde an das Kloster in Fulda im Jahr 927 n. 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